Kurdendemo

20. April 2018

 

foto Seit einigen Wochen demonstrieren Kurden in Frankfurt gegen das Vorgehen der Türkischen Armee in der Region Rojava und in Afrin. Sich vor Augen zu führen, wie schlimm die Verhältnisse vor Ort sein müssen während hier glücklicherweise das Leben seinen gewohnt normalen Gang geht, ist verstörend.

Wenig Anteil nimmt die Öffentlichkeit vom Demonstrationsgeschehen. Mich fragte ein Passant, was denn da los sei und ich frug mich im Weitergehen Kurdendemo murmelnd, ob die Leute keine Zeitung lesen.

Ein Teil der phlegmatischen Reaktion dürfte daran liegen, dass in Frankfurt gefühlt ständig mit Demonstrationszügen durch die Innenstadt für oder gegen irgendetwas protestiert wird. Ein weiterer Teil passt ins Bild der Facebook-Kultur. Man informiert sich nicht. Lässt lieber Plattitüden in die Timeline plätschern und konsumiert mal dies mal das in bräsiger Sattheit.

Ein schmutziger Krieg im staubig entlegenen syrischen Nordosten ist weit und die Idee, die Buchstaben YPG der vielen gelben Wimpel in eine Suchzeile einzutippen entgleitet der kurzen Aufmerksamkeitsspanne des handelsüblichen Smombie im Mahlstrom der Konsumreize von Starbucks bis Douglas lange bevor sie an die Oberfläche eines Bewusstseinsrests geriete. Tippen? Suchen? Zu anstrengend.

Dabei geht es nicht allein um kurdische Belange. Der Krieg in Syrien hat viele Menschen in die vermeintlich ruhige und sicherere Region vertrieben und vor Ort hat man bereits ohne Angriff der Türkei alle Hände voll zu tun, die Menschen zu versorgen. Nun müssen sie abermals fliehen während letzte Überbleibsel einer stabilen Gesellschaft inmitten eines desolaten 'Broken State' zerstört werden.

Es ist zum Heulen und scheint nie enden zu wollen.

Neulich war der kurdische Protestzug wieder unterwegs. Es waren nicht sehr viele Demonstranten, die große Präsenz der Polizei war auffälliger als die Marschierenden allein. Es schien, als kämen zwei bis drei Mannschaftswagen der Polizei auf jeden Demonstranten. Am Goetheplatz endete der Zug. Hastig eine Abschlussrede, das kleine Grüppchen verschämt auf der für Frankfurter Verhältnisse weiten Fläche harrend. Dann löste sich die Menge auf.

Was davon bleibt sind ein paar Bilder und die bange Frage, wie all das noch weiter geht.

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Fotos: Kurden, Frankfurt, April 2018
Kodak Gold 400, Summilux-M 35





 

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