Medienmüll

Sa, 7. April 2018, 11:41

 

foto Es wird geargwöhnt, dass die Firma Cambridge Analytica sich Daten von Facebook verschafft und sie zur Beeinflussung der Entscheidung zum Brexit verwendet hat. Oder? Ich glaube, so lässt es sich zusammenfassen. In den Meldungen dazu klingt es meist als haben böse Menschen sich bei bösen Taten erwischen lassen. 

Mir kommt es allerdings so vor, als verfehlte das ganze Geschrei um diese Vorgänge sein Ziel. Facebook-Nutzer nutzen Facebook weiter. Leser der Bild-Zeitung lesen die Bild-Zeitung weiter. Und wir Menschen lassen uns beeinflussen. 

Mir meiner Beeinflussbarkeit bewusst zu sein, Beeinflussung zu erkennen und ihr entgegenzuwirken muss das Ziel sein.

Ist es nicht ermüdend, laufend von den Medien mit ihren eigenen Hinterlassenschaften zum Thema bombardiert zu werden? Machen wir uns nichts vor. Jedes Medium dient schlauen Leuten zur Beeinflussung. Die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von Facebook oder der Bild Zeitung. 

Vergleichsweise neu ist in diesem ganzen Spiel, dass die Öffentlichkeit keine anonyme Masse mehr ist. Mehr denn je und zunehmend mehr lassen sich einzelne Menschen identifizieren, in Gruppen einsortieren und gezielt nach ihren Eigenschaften ansprechen.

Das einzige, das aus meiner Sicht freie Gesellschaften dem entgegensetzen können ist ihre Freiheit. Die Freiheit all das zu sein, was Andere über uns zu wissen glauben. Diese Freiheit gilt es mehr denn je zu behaupten. Zu dem zu stehen was wir jeweils sind und keinen Nachteilen ausgesetzt zu sein wegen welcher Eigenschaften auch immer. 

Ich nutze weder Facebook noch Google, Twitter oder Whatsapp. Der Grund dafür ist die Einschränkung von Freiheiten, die mit der Nutzung solcher Dienste einher geht. Was kann ich mit ihnen machen, was nicht auch ohne sie geht?

Der Unterschied zu anderen Möglichkeiten ist in Kosten und Aufwand zu suchen. Was setze ich ein und was gebe ich auf? Es scheint nicht nur den Milliarden von Nutzern sondern nahezu allen kritischen Stimmen zu entgehen, wie leichtfertig Menschen ihre hart erkämpften Freiheiten der eigenen Bequemlichkeit opfern.

Ist es nicht erschreckend, wie süß die Schlafmittel 'Kostenlosigkeit' und 'Bequemlichkeit' sind? Wann werden Kritiker darauf aufmerksam?

Bis es soweit ist, muss ich mich gelangweilt bis genervt der fortwährenden Empörungskultur entziehen, mich abwenden von sogenannten 'seriösen' Medien (von den unseriösen sowieso) die doch nichts tun als Alarmismus zu pflegen anstatt aufzuklären.

Was zählt sind Fakten. Es wäre viel gewonnen, beschränkten sich Medien auf deren Recherche und Verbreitung. Dann hätten 'meinungsbildende Einrichtungen' wie Cambridge Analytica keine Chance.

Ein einfaches Beispiel:

Fakt: Facebook sammelt die Daten seiner Nutzer.
Fakt: Nutzer haben keine Kontrolle über Daten, die sie Facebook überlassen.
Vollkommen nebensächlich: Was Mark Zuckerberg dazu sagt. 

Kleine Hilfestellung und nützlicher Tipp in diesem Zusammenhang: Es geht nicht in erster Linie darum, was jemand sagt oder im Internet veröffentlicht sondern um dessen Verhalten. Was mag er, was schaut er sich an, mit wem kommuniziert er, mit wem nicht.

Jene Informationen kann niemand einsammeln, wenn Nutzer sich von 'Diensten' wie Facebook fernhalten und stattdessen eine freie Infrastruktur für ihre Zwecke nutzen.

Und insbesondere müssen Gesetze durchgesetzt werden, die wirksam die dauerhafte Speicherung von Daten und mithin jegliche Bildung von 'Profilen' unterbinden. Stets wird gesagt, 'das geht doch gar nicht'. Ich sage: Das geht sehr wohl und lässt sich auch kontrollieren. Hier können übrigens freie Gesellschaften vieles von totalitären Systemen lernen: Man muss lediglich die Mechanismen kopieren und - Stichwort Gewaltenteilung - in die Hände voneinander unabhängiger Instanzen legen. 

Eines jedoch ist dabei vollkommen überflüssig und das ist unsere bestehende Medienkultur.

Foto: Frankfurt, Oktober 2017
Fuji Venus 800, Summilux-M 35

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