Jazz

3. Januar 2019

 

foto Ihr Bezug zur Realität ist ein interessanter Aspekt der Fotografie. Während in der Malerei eine fast beliebige Abstraktion erzielt werden und überhaupt jegliches Motiv komplett der Phantasie des Malers entspringen kann liegt einer Fotografie stets das Abbild einer realen Szenerie zugrunde. 

Trotz ihres offensichtlichen Realitätsbezugs können Fotografien wie Gemälde betrachtet werden, eine Komposition aus Farben, Formen und Strukturen beinhalten, die nicht in erster Linie aus den abgebildeten Elementen oder einem Moment spricht sondern als abstrahiertes Bild, das ein eigenständiges Ganzes darstellt, geformt aus Teilen, die aus der Realität einer vergangenen Situation gegriffen wurden. 

Alle diese Eigenschaften zusammengenommen, Bildkomposition, abstrahierte Elemente, der Moment mit seinen vielleicht verschiedenen Handlungen, die erkennbare 'Realität' aus der das Bild gegriffen wurde sowie die sich ergebende Fotografie als eigenständiges Bild schaffen eine enorme Spanne erstaunlicher Möglichkeiten.   

Nicht ohne Grund hat William Claxton es einst mit photography is jazz for the eye glänzend auf den Punkt gebracht. Wenn er es auch vor dem Hintergrund seiner Fotografien der Musikszene sagte, trifft er damit ganz allgemein den Nagel auf den Kopf.

Eine hyperreale, improvisierte Dimension der Fotografie wenn man so will und gewiß eine, der es in Zukunft weiter nachzugehen lohnt. In diesem Sinne wünsche ich neben Gesundheit, Freude und Erfolg allen ein inspirierendes neues Jahr.

Thore schrieb 05.01.2019 21:40

Vielen Dank für die Wünsche, die ich genau so wieder zurück geben kann!

Das ist ein spannendes Thema! Malerei und Fotografie - sind es doch beide "bildgebende" Künste oder Techniken. Die Malerei ist aus dem Drang des Menschen entstanden, das Gesehene festzuhalten. In der Malerei gibt es so viele verschiedene Techniken, hyperrealistische Zeichnungen, die einem Foto in Detailtreue in nichts nachstehen. Und mit einem Fotoapparat lassen sich Bilder kreieren, die so abstrakt sind, dass sie mit dem Abbild einer realen Szene nichts mehr zu tun haben. Und trotzdem hast Du in Deinem ersten Absatz Recht: Eine Fotografie braucht immer reale Objekte und Licht. Ohne die gibt es kein Foto, egal wie abstrakt. Wohingegen ein gemaltes Bild komplett der Phantasie entspringen kann.

Als Fotointeressierter kommt man an Henri Cartier-Bresson und dem von ihm geprägten Begriff des "decisive moment" nicht vorbei. Er kam von der Malerei zur Fotografie (und später wieder zur Malerei). Und dabei ging es ihm immer nur um das Bild. Eine Kamera erlaubt es diesen "entscheidenen Augenblick" als "Sofort-Skizze" schneller einzufangen, als es eine Zeichnung je könnte. "I suddenly understood that a photograph could fix eternity in an instant."

Ulrich schrieb 06.01.2019 11:39

Stimmt, HCB hatte einen starken Bezug zur Malerei und der Moment ist ein zenrales Thema von ihm. Wie er einen Moment abpassen und ins Bild setzen konnte war schon legendär. Mir geht es oft so, dass ich ebenfalls einen solchen Moment erlebe und im Bild festhalte. 

Und dann sehe ich aber auch hin und wieder eine Szenerie die mich fast magisch anzieht ohne, dass sich in ihr ein sonderlich bemerkenswerter Moment ereignet. Ich mache dann ein Bild aus dem starken Gefühl heraus, dass diese Ansicht unbedingt festzuhalten sei und kann selbst im Nachhinein nicht klar benennen, woran sich das festmachen ließe. 

Manche Bilder liegen lange bei mir herum, ich sehe sie an und bei jedem Mal wird der Eindruck eher stärker obwohl rein inhaltlich 'nichts zu sehen' ist. Hier scheint die Fotografie und im Grunde schon die Ansicht, von der ich das Foto gemacht habe zu etwas Eigenständigem geworden zu sein. Das Bild als Ganzes. Sein eigenes Objekt.

Die Fotografie hat schon ihre magischen Aspekte. Gewiß dieser Reiz des Augenblicks wie er HCB beschäftigte und dann aber auch das ganze visuelle Feuerwerk und Kopfkino, das manche Ansichten auslösen können zählen dazu.

Viele Ansatzpunkte für mancherlei fotografische Betätigungen :-)





 

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