Gewürfelt

28. Juli 2019

 

foto Alte Stadtkerne haben so etwas Zusammengewürfeltes. Die Zeit stellt immer wieder andere Kombinationen von Gebäuden zusammen und wir finden schliesslich ein Sammelsurium verschiedener Baustile, Gebäudeformen und -größen aus unterschiedlichen Epochen beieinander.

Diese Abwechslung macht sich auch auf Bildern angenehm bemerkbar, verleiht ihnen Tiefe und Vielfalt wo sich ansonsten aus Gleichartigkeit Monotonie und Ödnis ergäbe.

Nicht von ungefähr wirken 'moderne' Städte öd und leer wenn mit allzugroßer Hast Baulücken geschlossen werden. Es muss ja nicht immer gleich ein Fachwerkbau sein. Moderne und neue Bautechniken erlauben bedeutend mehr Vielfalt als es damals möglich war. Mehr Phantasie bei der Gestaltung unseres Lebensraumes tut nicht nur dem Auge gut. Die Bilder alter Stadtkerne sind ein Beleg dafür.

Thore schrieb 29.07.2019 19:58

Den Unterschied macht, ob ein Stadtteil gewachsen oder geplant wurde. Stadtkerne sind die Ur-Keimzelle einer Ansiedelung. Um das Leben darinhat  sich eine Stadt über Jahrhunderte herum entwickelt. Sobald der Mensch aber in kurzer Zeit innerhalb eines Bruchteils einer normalen menschlichen Lebensspanne ein neues Viertel aus dem Boden stampft, ist uniformes Aussehen und sterile Atmosphäre vorprogrammiert, weil der Mensch und das Leben sich der Architektur anpassen, ja unterordnen muss.

Der Mensch ist gar nicht in der Lage längerfrisitig zu planen. Der Denk- oder vielleicht (realistische) Vorstellungshorizont hört schon wenige Jahren in der Zukunft auf. Einfach auch, weil trotz allerbester Planung immer die Realität dazu kommt und Pläne später nicht mehr angepasst werden oder werden können. Das ist das Problem jeder zeitlich weitreichender politischer Entscheidung und Weichenstellung. Es ist eben Stadt-Entwicklung, was Zeit braucht wie organisches Wachstum, wie eine Pflanze. Das komplette Gegenteil ist Stadt-Planung, die ist künstlich, erzwungen, unnatürlich, höchstens funktional wie ein Roboter. Die beiden schließen sich meiner Meinung nach vollständig aus.

Ulrich schrieb 31.07.2019 07:58

Man sieht es Stadtteilen jedenfalls ziemlich an, wenn sie allzusehr durchgeplant wurden. Und auch ob sie langsam gewachsen sind. Heute kommt leider noch die Verdichtung dazu, bei der aus jeder Fläche noch etwas mehr herausgeholt werden will. Da ist dann kein Raum mehr zum Atmen und Variieren.

So lange sie noch nicht anderen Bauten gewichen sind, zeigen alte Stadtkerne jedenfalls, dass nicht alles nur monoton aussehen müsste und wie interessant es sein könnte, neue Baustoffe und -konzepte mit weniger durchgeplanter Stadtentwicklunng zu kombinieren.





 

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